InteriorDAsein ist ein Ausstellungsraum und Atelier mit Schwerpunkt auf hochwertige Rahmungen und Erarbeitung von Präsentationskonzepten. Verkehrsgünstig gelegen zwischen Prenzlauer Berg, Pankow und Wedding in direkter Nähe der S-Bahnstation Wollankstraße sprechen wir unsere Kunden mit einer ansehnlichen Vitrine an. Das Zusammenspiel von Handwerk und Kunst hat sich in unserer zweijährigen Tätigkeit fortlaufend bewährt, getreu unserem Motto, dass Kunst nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers ist.
Wir beherbergen in unseren Räumen eine Sammlung von Arbeiten von über 30 Künstlern aus verschiedensten Kulturkreisen, mit dem Schwerpunkt auf armenische zeitgenössische Kunst. Diese Sammlung, genauso wie temporäre Ausstellungen in unseren Räumen, werden in unserer Werkstatt individuell ausgestattet.
InteriorDAsein ist eine Wortfindung von Archi Galentz, der den Präsentationsraum und die Werkstatt führt. Da er selbst aus einer Künstlerfamilie stammt, hat er sich seit seinem Studium der freien Malerei und des Design an der UdK Berlin intensiv mit Restaurierung und Vermittlung von bildender Kunst auseinandergesetzt. Solides Handwerk ermöglicht uns dabei die Bewahrung unabhängiger Position und langfristiger Planung. Somit wird InteriorDAsein als Werkstatt und Ausstellungsraum zugleich verstanden - als manifestierter Artist-Run-Space.
weitere Veranstaltungen
26.06. - 02.08.2026 „Ausgeschlossen! Cancel Culture à la carte. Verdorbene Kunst aus den Kammern von InteriorDAsein
Anlässlich der Jubiläumsfeier der Kolonie Wedding bietet InteriorDAsein/Berlin eine besondere Ausstellung, die einzigartige visuelle freude verspricht, sowie die Vorteile eines unabhängigen Ausstellungsraums thematisiert.
„Ausgeschlossen! Cancel Culture à la carte. Verdorbene Kunst aus den Kammern von InteriorDAsein“ präsentiert Kunstwerke von über 30 russischstämmigen Künstler:innen aus der eigenen Sammlung sowie wenige ausgesuchte Leihgaben.
Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag, dem 26. Juni, um 20 Uhr statt.
Die Ausstellung ist bis Sonntag, dem 2. August, zu sehen.
Öffnungszeiten nach dem Kolonie-Wedding-Wochenende (26., 27. und 28. Juni) nach Vereinbarung.
Kuratiert von Archi Galentz und Varya Kamenskaia.
Seit einem Vierteljahrhundert prägt die Kolonie Wedding die freie Kunstszene Berlins. Am 25. Juni feiert der Projektraumverbund sein Jubiläum mit einem Festakt, Ausstellungen und Rundgängen und setzt damit ein Zeichen für die Bedeutung unabhängiger Kunsträume. 25 Jahre Kolonie Wedding stehen für 25 Jahre freie Szene in Berlin: Tausende Kunstausstellungen in fast 30 Projekträumen mit lokalen und internationalen Künstler:innen, unzählige Besucher:innen und ein breites, globales Netzwerk aus Kreativen und Unterstützer:innen.
Oleg Neishtadt, Banshe, 2022
Unter dem Motto „25 Jahre Kolonie Wedding – Gekommen, um zu bleiben!“ feiern zahlreiche Mitglieder das Jubiläum. Dabei wird die Struktur des Vereins als Zusammenschluss nichtkommerzieller Kunsträume, die sich dem Kunstbegriff der Avantgarde verpflichtet fühlen, betont.
InteriorDAsein ist seit 18 Jahren aktives Mitglied des Projektraumverbundes und wagt als unabhängiges Projektraum die Frage nach der Anstößigkeit der Ausschluss-Kultur im Kunstbetrieb und in der Gesellschaft zu stellen.
Oleg Mikhailow Circle Of Life, 2017
Bei der Ausstellung werden Originalarbeiten auf Papier und Leinwand, Objekte und Druckgrafik von „Klassikern” wie Aleksej Krawchenko, Anatolij Slepyischev, Elisaweta Kljuchewskaja, Pavel Shilingowskij, Vladimir Jankilewskij, Vadim Falileew, Wassilij Masjutin, Wladimir Favorskij, Wladimir Salnikow, sowie Werke unserer Zeitgenossen, die in vielen Ländern leben und arbeiten, wie beispielsweise Aleksej Longwin, Anastasiya Dukhanina, Anton Laiko, Aristarkh Tchernyischow, Dmitrij Gutov, Elena Kovilina, Grisha Danunacher, Gor Tchakhal, Ilja Kitup, Kirill Lebedev, Nina Kotjol, Marina Koldobskaja, Marija Arendt, Mikhail Werkholantzew, Swetlana Wedjornikowa, Taisija Korotkova, Oleg Mikhailov, Oleg Neishtadt, Petr Bystrov, Tatiana Antoshina, Vladimir Anselm, Yanka Smetanina und anderen Künstler:innen zu sehen sein.
Yanka Smetanina, Bruchstücke des Sieges, 2026
Seit Jahrhunderten spielen Russen eine wichtige Rolle im kulturellen Leben Berlins. Die über 600 Seiten starke Monografie „Russen in Berlin 1918–1933, eine kulturelle Begegnung“ von Fritz Mierau aus dem Jahr 1988 sowie der Katalog der Ausstellung „Moskau-Berlin“ aus dem Jahr 2003 dokumentieren den Austausch und das gegenseitige Einwirken der Künstler beider Länder, die die Staatsgrenzen selten als unüberwindbare Barrieren wahrnahmen. Trotz dieser und zahlreicher weiterer Publikationen bleiben viele Biografien, besonders die von Künstlern, deren Werk nicht unbedingt die vorgeformten Erwartungen illustriert, unterbeleuchtet. Man erinnere sich nur an Wassilij Masjutin, der Anfang der 1920er Jahre aus Russland über Riga nach Berlin kam. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er in Berlin als Druckgrafiker und Illustrator, wurde 1945 von der Roten Armee interniert und kam im nächsten Jahr aus dem Lager entlassen mit dem Auftrag, die Botschaft der UdSSR mit Kunstwerken neu zu gestalten. Ein weiteres Beispiel ist Elisaweta Kljuchewskaja, die 1924 in Moskau geboren wurde und 1942 in Berlin ihr Kunststudium begann, um 1947 ihre Ausstellungstätigkeit als Künstlerin aufzunehmen. Seit 1957 pendelte sie als Journalistin und Künstlerin zwischen beiden Hauptstädten. Die Rolle Berlins blieb durchgehend wichtig. Ich erinnere mich sogar noch an die Diskussionen Anfang der 2000er, Berlin als wichtigste Brückenstation auszubauen, um den Austausch Russlands mit dem Westen zu festigen. Auch jetzt, in Zeiten, in denen der hybride Krieg als allgegenwärtig gepriesen wird und der deutschen Außenministerin der Satz „Wir führen einen Krieg gegen Russland“ (Annalena Baerbock, 24. Januar 2023) entfährt, bleibt Berlin ein wichtiger Zufluchtsort für viele russische Künstler:innen. Für diejenigen, die sich längst global bewegen, das Land verlassen mussten und diejenigen, die geblieben sind und unsere Unterstützung brauchen.
Vadim Falileew, Maxim Gorky, 20er,
Trotz der nach wie vor bestehenden theoretischen Probleme bei der Definition des Begriffs „russische Kunst” und der andauernden Spannungen im Zugehörigkeits-, Zuschreibungs- und Distanzierungsprozess der betroffenen Künstler:innen befasst sich die Ausstellung mit dem reichen Erbe russischstämmiger Künstler:innen im kulturellen Leben Berlins sowie mit ihrer Rolle bis heute.
Anatolij Slepischew, 1978, Ohne Titel
Um die Künstler:innen dem Rechtfertigungsdruck zu entziehen, wird die Kunst der „Russen” nicht als Statement des/der Einzelnen, sondern als Teil einer privaten Sammlung präsentiert. Um den manifestierenden Charakter einer Ausstellung als politische Aussage abzuleiten, wird die Exposition in Form einer Selbstzensur auf psychische Toxizität geprüft. Anstelle eines Katalogs oder einer Liste der ausgestellten Werke wird eine Broschüre in Form eines Restaurantmenüs (Cancel Culture à la carte) mit zahlreichen Warnhinweisen angeboten.
Die geteilte Expertise der Besucher:innen als brave Bürger:innen und Kunstliebhaber:innen ist während der Ausstellung gefragt! Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf den Ratschlag, den ich Ende der 80er Jahre von meinem Zeichenlehrer, dem Architekten Andrej Muntz, hörte, als ich mich in Zeichenstunden um einen Platz an der Kunsthochschule bewarb. Er erzählte, sein Bekannter könne ein ganzes Jahr lang in Berlin leben, ohne Sprachkenntnisse zu besitzen, und benutze ein Zauberwort, das zu jeder Frage passe. Diese Antwort lautet: „Ausgeschlossen!“
Varya Kamenskaia, Die Dornen, 2025
Diese Ausstellung wird unterstützt durch die Ko-Kuratorin Varya Kamenskaia, die in diesem Jahr ihr Studium an der RGGU in Moskau (Fakultät Kulturologie) abgeschlossen hat und seit 2023 in Berlin lebt. Ihr wissenschaftlicher Diskurs verleiht dem Ausstellungsprojekt die nötige Reife und würzt den Gesamteindruck mit individuellen Noten:
“In den letzten Jahren ist in den Massenmedien eine radikale Verschärfung des Entfremdungsprozesses zu beobachten. Die Spaltung der Gesellschaft in gegensätzliche Lager verlagert den Schwerpunkt von der Erforschung der Authentizität der Lebenserfahrung des Autors hin zur Politik der Verallgemeinerung dieser Erfahrung zum „Anderen“ (im Sinne von Edward Said, dem Autor von „Orientalismus“). Die Gesellschaft spaltet sich zunehmend in „uns“ und „die anderen“ auf und strebt danach, jegliche Interaktion mit „den anderen“ einzuschränken. Was von den Kulturträgern abgelehnt wird, läuft Gefahr, für immer aus dem zeitgenössischen Diskurs ausgeschlossen zu werden. Was nicht konsumiert und nicht diskutiert wird, verdirbt. Verdorben zu sein, bedeutet, die erwarteten Eigenschaften zu verlieren. Die Angst, wegen moralischer Geschmacklosigkeit und mangelnder Empathie beschuldigt zu werden, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.
In dem Bestreben, Raum für die Vielfalt von Stimmen und Erfahrungen zu schaffen, unterstützt die Ausstellung „Ausgeschlossen! Cancel Culture à la carte. Verdorbene Kunst aus den Kammern von InteriorDAsein” den Kampf der freien Kultur gegen Verbote und Einschränkungen. Die Ausstellung lädt die Besucher:innen ein, die Standpunkte der Akteur:innen der Ausgrenzung infrage zu stellen und einen einzigartigen visuellen Genuss zu erleben.“
Bild im Anhang „Piggy“ von Marina Koldobskaya, 2014, Acryl auf Papier, 61x84cm. Foto Marina Koldobskaya.
vergangene Veranstaltungen
29.08. - 28.09.2025 Aspekte armenischer Malerei. Von Iwan Ajwazowski bis Narine Zolyan
29.08.2025 bis 28.09.2025 danach nur nach Vereinbarung bis Mitte Oktober
Aspekte armenischer Malerei. Von Iwan Ajwazowski bis Narine Zolyan
Eröffnung: Freitag 29. August 2025 ab 19.00 Uhr.
Ausstellungsdauer bis Sonntag 28. September 2025.
Öffnungszeiten: Samstag 30. August von 13 bis 19 Uhr, Sonntag 31. August von 13 bis 19 Uhr und nach der Koloniewochenende nach Vereinbarung.
Seit 2008 präsentiert InteriorDAsein regelmäßig Positionen der armenischen Bildenden Kunst und beherbergt inzwischen eine Sammlung von Leinwänden und Papierarbeiten zahlreicher Künstler:innen armenischer Abstammung. Die Ausstellung „Aspekte armenischer Malerei. Von Iwan Ajwazowski bis Narine Zolyan” zeigt Werke aus dem Zeitraum von 1860 bis heute aus der Sammlung des Projektraums sowie als Leihgaben aus Berliner Sammlungen. Die Ausstellung lädt zum Gespräch über die Orientierungen und Entwicklungen in der Malerei einer Kulturnation ein, die seit der Antike um ihr Überleben kämpft und seit einigen Jahren erneut Vertreibung und das Leben in der Diaspora in Kauf nehmen muss.
Iwan Ajwazowski „Schiff im Meer“ um 1860 und Mariam Aslamazyan „Sterbender Sewan-See“, 1986
Es werden Werke der Malerei und Druckgrafik von Künstler:innen gezeigt, die die armenische bildende Kunst maßgeblich beeinflusst haben:
Seda Bekaryan (1953 -), Narine Zolyan (1957 -), Narek Avetisyan (1969 -) und anderen
Narek Avetisyan „Landschaft“, 1997 und Narine Zolyan „Die Gefahr“, 2022
Armenien ist ein altes Kulturland im Kaukasus, das stets um sein Überleben kämpfen musste. Über tausend Jahre lang war es zwischen Persien, dem Osmanischen Reich und seit Anfang des neunzehnten Jahrhunderts auch dem expandierenden Russland geteilt. Die Identität der Armenier blieb jedoch durch ihre eigene christliche Kirche, ihre alte indogermanische Sprache und Kultur bestehen. Erst im 20. Jahrhundert, nach dem Zerfall der russischen und osmanischen Reiche, erlangte ein kleiner Teil des historischen Siedlungsgebiets für vier Jahre eine kurze Unabhängigkeit. In dieser Zeit musste sich das Land nicht nur um die Überlebenden des Völkermords kümmern, sondern sich auch gegen den neu entstandenen türkischen Nationalstaat behaupten. Schließlich wurde es in die UdSSR eingegliedert. Die kurze kulturelle Blütezeit der Armenischen Sozialistischen Republik endete im Chaos, in erneuten Kriegen um Grenzen und Siedlungsgebiete sowie der Demontage gesellschaftlicher Strukturen. Die Republik Armenien, die einst selbst zahlreiche Intellektuelle aus der Diaspora in das Sowjetreich integrierte, würde von vielen Armeniern verlassen. Heute ist Armenien ein unabhängiger Staat, der wieder von Krieg, Bedrohung und Existenzangst geplagt wird. Es ist gut möglich, dass das Leben in der Diaspora und die Kultur im Allgemeinen zu den wichtigsten Grundsteinen des Überlebens als eigene Nation werden.
Die Armenier sind nicht orthodox und beten keine Ikonen an. Abbildungen waren aber auch nie verboten, wie es bei den Nachbarvölkern der Fall war. Armenische Manuskripte waren reich verziert und Kirchen waren mit Fresken und Mosaiken geschmückt. Die Verbindung zu Europa war seit Jahrhunderten eng. Dies geschah durch den gemeinsamen Glauben an Christus, den Handel, Diaspora-Zentren und später auch durch Studienreisen. Der letzte armenische König, der mit den Kreuzrittern ziehen musste, ist in Frankreich bestattet. Bedeutende Bibliotheken und Sammlungen armenischer Kunst sind in Portugal, Frankreich, aber auch in Deutschland zu finden.
Gohar Fermanjan „Porträtstudie“, 30er Jahre.
In Armenien entwickelte sich die Malerei als eigenständige Kunstform vergleichsweise spät. Russland spielte eine bemerkenswerte Rolle bei der Entstehung nationaler Malschulen. Auch Studienreisen nach Europa waren dafür entscheidend. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten zahlreiche Künstler nach Sowjetarmenien aus und beeinflussten die Entwicklung der bildenden Kunst. Die Malerei der Jahre 1960 bis 1970 wird als Goldenes Zeitalter bezeichnet. Bemerkenswert ist, dass es in der armenischen Hauptstadt Jerewan mit dem 1972 eröffneten Museum für Moderne Kunst (MAMY) bis heute weltweit die einzige öffentlich zugängliche Sammlung armenischer moderner Kunst bleibt. Die Nationalgalerie Armeniens verfügt über eine umfangreiche Sammlung klassischer armenischer Kunst. Mehrere Filialen der Nationalgalerie und des Museums für Moderne Kunst präsentierten erfolgreich Sammlungen der Malerei, Plastik und Grafik in Dilidjan, Vanadzor, Gjumri, Dschermuk und Kapan. Selbst in der Republik Artsakh (1992–2024) gab es bis 2020 eine beachtliche Sammlung, die bei der Eroberung der Stadt durch aserbaidschanische Streitkräfte geplündert wurde. Das Schicksal der Kunstwerke ist heute völlig ungewiss.
Petros Malayan „Der Bojenwart am Jenisei Fluss“, Aquarell auf Papier, 1966
Es werden immer wieder Versuche unternommen, die Frage zu beantworten, was die bildende Kunst Armeniens auszeichnet. 2015, zum hundertsten Jahrestag des Genozids an den Armeniern gab es einige Ausstellungen in Diaspora-Zentren, wie Paris oder Los-Angeles. Selbstverständlich entwickelt sich sowohl das Verständnis des Bildes als auch der künstlerischen Schöpfung weiter. Dialog, Vergleich, Zusammenstellung und Besprechung sind ein integrierter Bestandteil dieser Weiterentwicklung.
Mher Abegyan „Stilleben“, Öl auf Leinwand, 1980
Die Ausstellung basiert auf die Sammlungen der armenischen Kunst aus Berlin. Wir danken Frau Carola Schild und Dr. Doctor Girajr Khoucharian für die Bereitschaft uns Kunstwerke auszuleihen.
Beitrag über die Ausstellung in der September-Ausgabe von ADK (Armenisch-Deutsche Korrespondenz) Nr. 208 als pdf: ADK_Nr208_Aspekte
29.11. - 09.01.2025 Ausstellung zu Ehren des 100. Geburtstages des Regisseurs Sergej Parajanow (Lebensdaten: 9.01.1924 – 20.07.1990)
29.11.2024 - 09.01.2025
Sergey Parajanow (oder laut Wikipedia Sergei Iossifowitsch Paradschanow) war einer der bedeutendsten Filmregisseure der Sowjetunion. Gleich drei Nationen: Armenier, Georgier und Ukrainer beanspruchen ihn als ihr Volksgenie. Der am 9. Januar 1924 in Tiflis, Georgien, geborene Filmemacher studierte in Kiew, Ukraine, wo er auch seine ersten Filme drehte. Sein erster Spielfilm von 1965, Schatten vergessener Ahnen, der in Deutschland unter dem Titel Feuerpferde in die Kinos kam, wurde gleich im ersten Jahr seiner Uraufführung auf dem Filmfestival von Thessaloniki mit der Goldenen Medaille ausgezeichnet und erhielt Preise in Frankreich und England. In der Sowjetunion erlangte der Film Kultstatus. Sergej Parajanow wurde nicht nur durch seine Filme bekannt, die international große Beachtung fanden und vermutlich sogar Pier Paolo Pasolini beeinflussten, sondern auch als bildender Künstler und prominenter Häftling sowjetischer Lager. Federico Fellini unterstützte ihn jahrelang und versuchte, die internationale Aufmerksamkeit aufrecht zu halten. Parajanow wurde in Armenien sehr verehrt, sein Film Die Farbe des Granatapfels (1969) gilt bis heute als Ikone. 1988 wurde in der armenischen Hauptstadt Eriwan noch zu Lebzeiten des Filmemachers ein stattliches Museum eröffnet, das seinem Leben und Werk gewidmet ist. Sergej Parajanow starb 1990 in Jerewan. 2018-2019 widmete das Filmmuseum Potsdam dem Filmemacher eine große Ausstellung. InteriorDAsein als Projektraum mit integrierter Werkstatt für Präsentationslösungen unterstützte die Ausstellung mit der Rahmung einer Textilarbeit des Filmemachers und dem Rücktransport des Kunstwerks in das Museum nach Jerewan. Mit dem Direktor des Parajanow-Museums, Zaven Sargsyan, sind wir in engem Kontakt geblieben und freuen uns nun, in der Ausstellung zum 100. Geburtstag Parajanows auch seine Fotodokumentationen zeigen zu können, die er uns in Berlin in der Sammlung übergeben hat.
Zaven Sargsyan und Archi Galentz im Filmmuseum Potsdam, Dezember 2018.
Die Ausstellung, die am Freitag, den 29. November 2024, im InteriorDAsein eröffnet wird, ist bemerkenswert als Initiative armenischer Vereine, die in Deutschland lebende Landsleute einluden, den Geburtstag des bekannten Filmemachers mit Kunstwerken zu feiern. Anahid Babayan von der Armenischen Kulturgemeinde Leipzig e.V. organisierte den Aufruf und vermittelte die erste Ausstellung im Atelier von Eduard Panosian in der Leipziger Innenstadt. Am 30. August waren 25 Künstler in der Ausstellung vertreten. Danach wurde die Ausstellung nach Halle an der Saale eingeladen und von Ararat Kultur Halle-Hoffe Saale e.V. den Kunstinteressierten präsentiert. Nun kommt die Ausstellung nach InteriorDAsein, wo seit 2008 zahlreiche Ausstellungen auch der armenischen bildenden Kunst gewidmet waren. Wir freuen uns besonders, dass wir weitere Künstlerinnen und Künstler für diese Ausstellung gewinnen konnten. Sowohl aus Berlin als auch aus dem Ausland. Zu sehen sind Gemälde, Zeichnungen, Drucke, Collagen und Assemblagen, Fotografien und KI erzeugte Bilder. Die Liste der Künstler ist lang:
Am Sonntag den 1. Dezember ab 18 Uhr laden wir Sie zum musikalischen Abend mit Roksana Vikaluk, Ukrainische Sängerin, Komponistin und Multiinstrumentalistin. Im Rahmen der Gruppenausstellung zum 100. Jahrestag von Parajanov. Inspiriert vom Meisterwerk Schatten vergessener Ahnen trägt Roksana vocale Improvisationen ukrainischer Volkslieder vor und teilt mit uns einige Geschichten aus dem Leben ihrer Familie im Bezug zum über den großen Meister.
Die Ausstellung in InteriorDAsein bleibt bis 9. Januar 2025 und ist nach den Öffnungszeiten während Kolonie Wochenende nach Vereinbarung zugänglich.
Sehen Sie auch: https://armenier-leipzig.com/ausstellung-von-30-08-14-09-2024-100-geburtstag-sergey-parajanow-vernissage/
Ein Bericht auf englisch im Armenian Mirror Spectator, Boston, USA:
25.10. - 23.11.2024 Herbstspaziergang. Niederländische Künstler:innen zu Besuch in Berlin Wedding
25.10 - 23.11.2024
Gastausstellung Niederländische Künstler:innen in InteriorDAsein und Toolbox. In Zusammenarbeit mit Kunstruimte 411, Haarlem, Niederlande. Kuratiert von Hans Kuiper und Archi Galentz.
Mit Werken von Marius van Zandwijk (Malerei), Aquil Copier (Malerei), Piet Zwaanswijk (Kollage/Print), Jessica Assmann-Zwaanswijk (Malerei), Sina Khani (Malerei), Ilja Warmerdam (Malerei), MC de Waal (Fotografie), Antonio Rego (digital drawing Drucke), Gerard Veldman (Malerei), Daan van Houten (Zeichnung/Holzschnitt), Rene Bosch (Fotografie/Malerei), Tarik Sadouma (AI-Print) und Hans Kuiper (Zeichnung/Malerei).
Im Dialog mit Berliner Künstlern:nnen : Gisa Hausmann, Jelisaweta Klutschewskaja, Edwin Dickman, Klaus Jürgeit, Tamara Ivanova, Marina Koldobskaja, Jovan Balov, Thomas J.Richter, Cristina Artola, Svenja Schüffler, Markus Schaller, Gagik Kurginian, Julia Katan, Julia Kissina, Patrick Huber und andere.
Aquil Copier, Creating order in chaos a quotation by Francis Bacon.
40×50 cm. Oil on canvas. 2024.
Eröffnung am Freitag, den 25. Oktober ab 19 Uhr in InteriorDAsein, betreut von Archi Galentz und gleichzeitig in ToolBox, betreut von Hans Kuiper
Öffnungszeiten nach der Kolonie Wochenende nach vorheriger Vereinbarung.
Finissage am 24. November von 16 bis 19 Uhr in ToolBox und von 19 bis 22 Uhr in InteriorDAsein.
28.03. - 20.04.2025 Mythen-Bilder, zur Aktualität eines Refugiums
28.03.2025 - 20.04.2025
Mythen haben Konjunktur in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche. Die Betrachter:inn braucht Bildung und Vorwissen, um einen Zugang zu den Bildwelten zu finden. Die Künstler:innen müssen die Mythen immer wieder neu interpretieren und strukturieren. Beides geht nicht schnell. Es gibt keinen Kanon und das kreative Spiel mit Assoziationen, Parallelen zwischen der Antike und unserer heutigen Welt und Bezüge zu aktuellen Ereignissen machen die Mythen als Sujet interessant. Im Zeitalter der Schwarz-Weiß-Malerei, der versuchten Cancel Culture und der Qualitätsbeurteilung nach Minderheitenzugehörigkeit bieten Mythenbildungen einen gewissen Ausweg aus der Misere des Daseins, helfen die Zeiten der Unsicherheit zu überbrücken und tragen Botschaften für heutige und zukünftige Kunstinteressierte.
Gezeigt werden Werke von Tigran Tokmajyan (1923 – 2004), Edwin Dickman (1929-2023), Peter Hahlbrock (1934-2015), Gisela Breitling (1939-2018), Gisa Hausmann (1942-2015), Aude de Keross (*1947), Thomas J.Richter (*1955), Philipp Mager (*1966), Archi Galentz (*1971), Julia Katan (*1997) und anderen Künstler:innen der Gegenwart.
Die präsentierten Werke sind zwischen 1958 und 2025 entstanden: Skizzen, Radierungen, Lithografien, Aquarelle, Ölbilder KI-generierte Ausdrucke.
Die Ausstellung im InteriorDAsein nimmt Bezug auf die Doppelausstellung …durch mythische Zonen mit Werken von Edwin Dickman (in Dezember 2023 mit 94 Jahren verstorben) und Archi Galentz. Diese Ausstellung wurde vom 14.02. bis 14.03.2025 in der Produzentengalerie SpiritTransfer in Moers bei Duisburg gezeigt, die Ausstellung in InteriorDAsein erweitert die in Moers gezeigte Auswahl mit weiteren Beispielen.
25.04. - 31.05.2025 Arbeiten auf Papier der Armenier. Von Aquarell bis Tempera. Von der Skizze bis zum Meisterwerk.
25.04.2025 - 31.05.2025
Abbildung oben: Hob Ghazaryan „Gjumri am Morgen“, Aquarell von 2024, 30x40cm
Die bildende Kunst Armeniens ist durch monumentale Skulpturen und expressive, farbenfrohe Malerei, meist in Öl, bekannt. Weniger bekannt sind die Papierarbeiten der Armenier, die sowohl als Ideenskizzen für komplexe Kompositionen und Illustrationen für Zeitschriften und Bücher als auch als autonome Kunstwerke in Aquarell, Tempera, Gouache oder auch Acryl entstanden. Spontaneität und Farbenrausch sind bei der Arbeit mit empfindlichen Materialien wie Aquarellfarben nicht immer hilfreich. Die Disziplin gewinnt im Schaffensprozess die Oberhand. Im Projektraum und Atelier von InteriorDAsein werden seit 2008 zahlreiche Werke armenischer Künstler aufbewahrt und regelmäßig präsentiert. Anlass für die Ausstellung war die Einladung einer Aquarellserie eines jungen Künstlers aus dem armenischen Gjumri, die im Staatsarchiv Halle an der Saale zu sehen war, nach Berlin.
Hakob Kodjoyan, „Barekentan“, Tempera auf Karton, 1946, 17×51 cm
Hob Ghazaryan, geboren 2003 in Gjumri, Armenien, zeigte vom 12. Januar bis 20. Februar dieses Jahres in der Ausstellung „Unter dem armenischen Himmel“ mehrere Aquarelle, meist mit Motiven seiner Heimatstadt und Landschaft Armeniens. Die Werkschau wurde von der Deutsch-Armenischen Freundschaftsgesellschaft Halle-Gjumri im Rahmen der Armenischen Kulturtage 2025 mit Unterstützung der Stadtverwaltung Halle in den Räumen des Stadtarchivs als Zeichen der Städtepartnerschaft zwischen Halle an der Saale und Gjumri präsentiert.
Boris Akopian, „Mauersegler unseres Stadtes“, Aquarell von 2011, 60x80cm
Nicht nur wir von InteriorDAsein waren daran interessiert, einige der feinen und liebevoll bemalten Papierarbeiten von Hob auch in Berlin zu zeigen. InteriorDAsein hat trotz bescheidener Möglichkeiten zahlreiche Ausstellungen armenischer Kunst, die durch ganz Europa gereist sind, in der deutschen Hauptstadt präsentiert (sehe www.interiordasein.de/ausstellungen). Um nur einige Projekte zu nennen: Neben „Simulacrum“ von Narek Avetisyan im Jahr 2013 war es auch 2012 die große Ausstellung “Changing the Place of Encounter, Fragments of Armenian Contemporary Visual Art”, die zuvor im Kunstverein Taalstraße e.V., ebenfalls in Halle an der Saale, zu sehen war.
In der Ausstellung „Papierarbeiten der Armenier. Von Aquarell zur Tempera. Von der Skizze bis zum Meisterwerk“ stellen wir einige Bilder des 21-jährigen Künstlers Hob Ghazaryan mehreren Einzelwerken anerkannter armenischer Meister wie Hakob Kodjoyan (1883 – 1959), Gayane Khachaturyan (1942 – 2009) oder Martin Petrosyan (*1933) gegenüber. Wir möchten den jungen Künstlerkollegen aus Gjumri ehren, indem wir seine Werke mit Meisterwerken der Aquarellmalerei aus Armenien, vor allem mit ausgewählten Arbeiten von Hakob Hakobian (1923 – 2013) und Boris Akopian (auch bekannt als Boris Armen Akopian 1947 – 2020) vergleichen und würdigen.
Die Aquarelle von Boris Akopian werden erst ab Sonntag, den 27. April in der Ausstellung zu sehen sein, da sie eigens für die Präsentation in Berlin aus Kiew in die Ukraine gebracht werden und sich die Ankunft der Kunstwerke aufgrund zahlreicher widriger Umstände verzögert hat.
Ruben Gabrieljan, Skizze aus Ende 80er, Tusche und Aquarell, 19×27 cm
Die Ausstellung ermöglicht es uns, auch wenig bekannte Beispiele der Aquarell- und Gouachemalerei des Surrealisten Saro Galentz (1946 – 2017) aus den 70er und 80er Jahren im Kontext auszustellen und die Aufmerksamkeit auf zahlreiche Aquarellskizzen des Armeniers Ruben Gabrieljan (1926 – 2015) aus der Region Artzakh (auch als Berg-Karabach bekannt) zu lenken. Außerdem zeigen wir zwei Werke der Malerin Phiruza Gozeyan (1948 – 2023), die nach Ihrem Tod wiederentdeckt werden.
Phiruza Gozeyan, Dorfszene, Acryl auf Karton, 44×29 cm
In der Gruppenausstellung dürfen aber auch Werke von in Berlin arbeitenden Armeniern nicht fehlen, so zeigen wir Skizzen aus Armenine von Avag Avagyan (*1965) und einige Werke seines Lehrers Slavik (*1955) Khachaturyan. Einige frühe Gouachen aus Armenien des Projektraumbetreibers Archi Galentz (*1971) runden die Ausstellung ab und laden zum Gespräch über Entwicklungen und Perspektiven der armenischen bildenden Kunst ein.
Die Ausstellung findet parallel zu den Deutsch-Armenischen Kulturtagen in Berlin Karlshorst statt (siehe www.aeae.eu/ankuendigung/694). Im Kulturhaus Karlshorst werden weitere Werke von Hob Ghazaryan und Boris Akopian gezeigt.
Die Ausstellung im InteriorDAsein ist nach den Koloniewochenenden nach Vereinbarung zugänglich, die Finissage findet am 31. Mai 2025 ab 16 Uhr statt.
27.06. - 29.06.2025 Screen Memories – Inner Landscapes, Maria Arendt, Dragana Latinović und Tatjana Strugar.
bis 06.07.2025
Screen Memories – Inner Landscapes
05.06.2025 – 06.07.2025
Gruppenausstellung von Maria Arendt, Dragana Latinović und Tatjana Strugar
Tatjana Strugar, Maria Arendt, Dragana Latinović, in InteriorDAsein
Dauer: bis 6. Juli. Geöffnet während der Kolonie Wedding Eröffnungen am Juni-Wochenende: am Freitag, den 27. Juni von 18:00 bis 22:00, am Samstag, den 28. Juni von 14:00 bis 18:00 und am Sonntag, den 29. Juni von 14:00 bis 20:00 und nach Vereinbarung.
Zeiten kultureller und politischer Unsicherheit führen oft zu einer Hinwendung nach innen. In Ermangelung kohärenter kollektiver Narrative greifen Künstler:innen auf persönliche Erinnerungen, emotionale Wahrnehmungen und visuelle Archetypen zurück, um Bedeutung zu konstruieren. Screen Memories – Inner Landscapes vereint drei Künstlerinnen slawischer Herkunft – Maria Arendt, Dragana Latinović und Tatjana Strugar -, deren Werke sich im Raum zwischen subjektiver Erinnerung und abstrakter Form entfalten. Inspiriert von Sigmund Freuds Idee der „Screen Memories“ – verfremdete Erinnerungen, hinter denen sich tiefere, oft schmerzhafte Erfahrungen verbergen – schaffen diese Künstlerinnen Werke, die emotional aufgeladene, traumartige Bilder einfangen. Ihre Kunst zeigt nicht nur die Vergangenheit, sondern auch, wie Erinnerungen erlebt und umgestaltet werden – jede Künstlerin hat ihren eigenen Stil. Die sinnlichen Werke von Maria Arendt betonen den Atem und die Ruhe. Dragana Latinović schafft zarte, poetische Räume, in denen Natur, Körper und Licht miteinander verwoben sind.
Inner Landscapes
Weitere Informationen in der englischen Version der Seite.